Hotelhygiene: Eindrückliche Facts und praktische Tipps

Egal ob Null- oder Fünf-Sterne-Haus: Für einen Hotelbetrieb ist ein "sauberes Image" überlebenswichtig. Neben einem gut durchstrukturierten, funktionierenden Hygienemanagement können einfache bauliche Massnahmen dazu beitragen, den Ansprüchen der Gäste gerecht zu werden.


Viele der rund 100 Billionen Bakterien, von denen ein gesunder Mensch besiedelt ist, machen sich täglich für uns stark. Ohne Keime, Pilze und andere Mikroorganismen könnten wir nicht überleben: Sie regeln die Verdauung und stärken unser Immunsystem. Doch nicht überall ist die ausufernde Population von Keimen erwünscht, erst recht nicht, wenn eine Vielzahl von Mikroorganismen Ekel in uns hervorruft, uns schlimmstenfalls sogar krankmacht.

Deshalb ist besonders in Hotels, also an Orten, an denen sich Menschen buchstäblich die Klinke in die Hand geben, Sauberkeit oberstes Gebot. In der Schweiz dürfen sich Restaurationsbetriebe auf die Hygieneleitlinie GVG stützen. Während in diesem Branchenzweig regelmässige Kontrollen üblich sind, fehlen im Umgang mit der Sauberkeit in Hotels einheitliche Standards und Verfahren.

Dass der Augenschein nur unzureichend Auskunft über die hygienische Wirklichkeit gibt, verdeutlicht eine Untersuchung der University of Houston (USA) aus dem Jahr 2012. Dabei nahmen die Forscher in drei verschiedenen Hotels innerhalb der Vereinigten Staaten Proben von Oberflächen und den Reinigungswagen der Putzkräfte.

Vorsicht Türfalle!


Wider Erwarten wurde nicht etwa die WC-Brille von den Wissenschaftlern als Keim-Mutterschiff enttarnt, auch nicht der benachbarte Spülknopf. Als Utensilien des bakteriellen Grauens entpuppten sich vielmehr die Fernbedienung des TV-Geräts und der Knopf der Nachttischlampe. Barbara Horat zeigt sich ob dieser Resultate keineswegs überrascht: "Viel zu häufig werden solche Gegenstände beim Putzen vergessen. Aber auch die Türfallen sollten unbedingt ins Reinigungskonzept mit einbezogen werden", erklärt die Executive Housekeeperin des Zürcher Nobelhotels Baur Au Lac (mehr dazu im Interview, siehe "Weitere Informationen"). Während der sportlich bemessenen 30 bis 40 Minuten, die ihren Mitarbeitenden für die Reinigung eines herkömmlichen Depart-Zimmers zur Verfügung stehen, läuft alles streng nach Checkliste, jeder Handgriff sitzt.

Zu Horats durchorganisiertem Hygienemanagement gehört auch, dass das Housekeeping auf den korrekten Umgang mit Putzmaterialien sensibilisiert ist. "Optimal ist es, wenn für jeden Raumbereich ein separater Putzlumpen verwendet und dieser dann nach jedem Zimmer ausgewechselt wird. Das gilt ganz besonders für den WC-Lumpen." Wie wahr, denn ausgerechnet auf den Putzutensilien fanden die Forscher der University of Houston die grösste Keimbelastung.

Es muss nicht immer die "chemische Keule" sein


Nicht nur die Wahl des richtigen Lumpens, Bürstlis oder Schwämmlis wird zur Herausforderung: Auch der Einsatz des adäquaten Putzmittels ist eine Wissenschaft für sich. Es ist anzuraten, sich vor dem Reinigungseinsatz über die Verträglichkeit der Inhaltsstoffe für Mensch und Material zu erkundigen. Oft muss die gesundheitsgefährdende "chemische Keule" gar nicht eingesetzt werden, denn Mutter Natur sorgt mit kraftvollen Kalk-, Fett- und Schmutzlösern wie Essig- und Zitronensäure für Hygiene und streifenfreien Glanz.

Eine der wenigen Ausnahmen bildet der Schimmel. Ihm muss praktisch immer mit chlorhaltigen Stoffen zu Leibe gerückt werden. Für Hotelprofi Horat ein bekanntes und zugleich lästiges Phänomen: "Wird Schimmel nicht gründlich entfernt, kommt er immer wieder. Die Sporen setzen sich in den Fugen fest, deshalb muss man sie sorgfältig mit Javelwasser abbürsten." Manchmal nütze auch das nichts. Dann bleibe nur noch, die Fugen auszuwechseln.

Wie schnell ein Raum gründlich gereinigt werden kann, hängt zu einem nicht geringen Masse von seiner Gestaltung ab: Da sich die Zimmer in vielen grossen Hotelketten in Bezug auf Grösse und Interieur meist wie ein Ei dem anderen gleichen, laufen die Reinigungsprozesse besonders speditiv ab. Die Betten sind nach unten hin geschlossen, dekorative Elemente werden – wenn überhaupt – minimalistisch ins Konzept integriert. Darüber hinaus gibt es in einigen Herbergen Lavabos, WC-Schüsseln, Bade- und Duschwannen mit sogenanntem Lotus-Effekt: Die spezielle Nano-Beschichtung soll verhindern, dass Schmutz an den Sanitäranlagen haften bleibt.

Wie man sich bettet ...


Neben dem Badezimmer gehört das Bett zum heikelsten Bereich eines Hotelzimmers. Insbesondere Hausstaubmilbenallergiker zeigen sich nicht darüber erfreut, die temporäre Schlafstätte mit zahlreichen anderen Lebewesen teilen zu müssen. Die Lösung: ein komplett umschliessendes Schonbezugsystem, das sogenannte Encasing. Es sorgt dafür, dass sich weder eine grössere Anzahl Milben, noch unangenehme Körpergerüche in Kissen, Duvet und Matratze einnisten, beziehungsweise festsetzen können.

Wie sich ein Hotelzimmer besonders "putzfreundlich" gestalten lässt, weiss Thomas Zundel, Projektleiter des Innenausbau-Unternehmens Strasser AG in Thun. Er empfiehlt den Einsatz von "geschlossenen und homogenen Materialien" wie Holz, Glas oder acrylgebundenem Kunststein. Letzterer ist gemäss Zundel "verformbar und durch die fugenlosen Übergänge ein wahres Geschenk für die Reinigung". Hingegen schenken sollten sich Hotelunternehmen die Tagesdecken. Häufig werden diese kaum geschätzten Überwürfe direkt nach dem Zimmerbezug vom Beherbergten auf den Boden befördert. Danach landen sie wieder auf dem frisch bezogenen Bett des nächsten Gastes.

Allergikerzimmer: Weniger ist mehr


Genau wie Tagesdecken kommen auch Vorhänge und Gardinen eher selten in den Genuss einer gründlichen Reinigung. Hier empfiehlt Experte Zundel ein spezielles Element, das als Vorhangersatz am Fenster oder als Trennwand im Badezimmer eingesetzt werden kann. Dabei handelt es sich um einen Stoff, der luftdicht zwischen zwei Glasplatten eingeklemmt und dadurch leicht zu reinigen ist.

Das sogenannte Textilglas verhilft auch karg gestalteten Allergikerzimmern zu mehr Gemütlichkeit. Viel wichtiger als das Ambiente ist dem Allergiker aber die Tatsache, ein möglichst von Staub, Pollen und Chemikalien befreites Zimmer vorzufinden. Was für den Betroffenen eine Qual ist, kann für Hoteliers eine Chance sein: In wirtschaftlich angespannten Zeiten eröffnen Angebote für den "Allergiker-Markt" attraktive Möglichkeiten zur Diversifizierung. Eine Herausforderung, der sich Hotellerieunternehmer neuerdings mit einem speziellen Gütesiegel von Service Allergie Suisse stellen können.

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